Paleo Spielenerds

Paleo – Vom anstrengenden Tag in die düstere Nacht

„Oh schau mal ein Tiger.“

„Äh, ich glaube, wir sind nicht genug Jäger, um den zu besiegen, wir sollten besser gehen.“

„Du bist lustig, die Karte ist rot, wir können nicht gehen.“

So oder so ähnlich kann so eine Unterhaltung in Paleo aussehen. Und ja, es gibt Karten, denen kannst du nicht entkommen – oder nur sehr schwer.

Jede Runde deckst du eine neue Karte auf, der Hintergrund kann noch so harmlos aussehen – das sagt gar nichts aus. Planung nicht möglich. Oder doch? Tipps zum Spiel findest du weiter unten in unserer Strategie.

Aber fangen wir vorne an, wie wird Paleo überhaupt gespielt? Und wir finden das Spiel? Schließlich ist es Kennerspiel des Jahres 2021 geworden. Am Ende findest du unsere Paleo-Rezension.

Spielaufbau

Spieleautor:in: Peter Rustemeyer
Verlag: Hans im Glück
Jahr: 2020

Spielerzahl: 1 - 4
Spielzeit: 45 - 60 Min.
Alter: Ab 10

Kennerspiel des Jahres 2021

Paleo ist im Hans im Glück Verlag erschienen. Leider ist die Seite in Bearbeitung. Die ganze Paleo-Anleitung bei Asmodee herunterladen.

Für den Aufbau baust du erstmal den Friedhof und die Werkbank wie in der Paleo-Anleitung beschrieben auf.

Die beiden stellst du auf den Tisch und platzierst auf und vor der Werkbank die Werkzeugplättchen.

Das gibt dann ein paar Häufchen. Neben der Werkbank kannst du den Friedhof platzieren. Der ist für besiegte Tiere, aber auch für geopferte Menschen.

Die Herzen und Ressourcen legst du ebenfalls als Vorrat danneben.

Dann gibt es 3 Tableaus oder wie wir gerne sagen: Bretter.

Lege sie Spielbretter vor die Werkbank aus. Starte mit dem Basislager, dann kommt die Wildnis und zum Schluss die Nacht.

Auf das Basislager kommen die abgebildeten Karten gemischt und verdeckt. Links sind die grünen Karten, unsere Menschen. In der Mitte liegen die Träume (lila). Und rechts die Gelben Karten sind Ideen (Werkzeuge).

Ihr startet mit 5 Fleisch, die ebenfalls aufs Basislager gelegt werden.

Auf das Wildnisbrett kommen keine Karten, das ist nur zum Ablegen von Karten währendes des Spiels.

Auf das Nachtbrett legst du von Modul A und B die Missionskarte offen unten aus. Das Modul A hat noch zwei Geheimniskarten, die kommen links verdeckt als Stapel hin. Das sind einfache Level 1 Module. Es gibt noch schwierigere.

Modul B hat noch eine Ideenkarte, diese kommt direkt in die Werkbank gestellt und mit ihr die passenden Plättchen oben rein.

Legt die Totenköpfe und die Siegpunkplättchen (Wandmalerei) als Vorrat daneben.

Das ist der Grundaufbau. Jetzt brauchst du noch Menschen und Karten.

Jeder Spieler startet mit 2 Menschen, ziehe diese vom grünen Kartenstapel. Falle die Menschen bereits Gegenstände mit sich führen (z. B. Seil oder Wackel), dann nimm dir das entsprechende Plättchen.

So nun haben wir Menschen und wo gehen wir auf die Jagd? Natürlich in der Wildnis.

Es gibt Wildniskarten. Diese haben unterschiedliche Hintergründe: Wald, Gebirge, Fluss, Feuer und Fußabdrücke und so weiter. Die geben so eine grobe Richtung, was dich dahinter erwartet.

Mischt alle Karten und verteilt diese gleichmäßig an alle Spieler. Da wir meist zu zweit spielen, haben wir zwei Stapel.

Es gibt Module, da werden weitere Wildniskarten untergemischt. In dem Fall jetzt nicht.

Das sollte es gewesen sein. Letzter Check anhand des Bildes.

Perfekt, dann lass uns starten.

Paleo Spielaufbau 2 Spieler
Paleo – Spielaufbau für 2 Spieler

Spielablauf

Paleo hat genau zwei Phasen:

  • Die Tagphase und
  • die Nachtphase.

So einfach ist das. Du spielst in der Tagphase und in der Nacht wird gegessen und bestraft.

Die Tagphase – Der Tag gehört dir.

Das Schöne an Paleo? In der Tagphase spielen alle gleichzeitig.

Die Tagphase besteht aus 3 Schritten:

  • Karte auswählen
  • Karte aufdecken
  • Karte ausführen

Die wiederholen sich, bis es in die Nacht geht. Dazu später mehr. Fangen wir beim Tag an.

Karten auswählen

Die Qual der Wahl. Du wählst eine Wildniskarte aus. Aber nur aus den obersten 3.

Paleo Wildniskarten
Paleo – Wildniskarten (Auswahl)

Die Reihenfolge der Karten darf niemals verändert werden. Wählst du die dritte Karte aus, ziehst du diese raus und die beiden darüber bleiben unverändert liegen.

Egal welche du nimmst, sobald diese aufgedeckt ist, musst du die abhandeln.

Um zu entscheiden, welche Karte Sinn ergibt, musst du zwei Sachen im Hintergrund behalten.

  • Du brauchst Fleisch, um deine Menschen zu ernähren (Pro Mensch 1 Fleisch).
  • Du musst deine Aufgabe erfüllen (Missionskarten).

Also gehst du in den Fluss, um ein Tier zu erlegen oder in den Wald, weil du Holz für die Mission brauchst?

Du hast noch eine Option, du kannst deine Karten komplett ablegen und in die Nacht gehen.

Ok, das ist am Anfang noch etwas früh. Aber wenn sich der Stapel zu Ende neigt, wird diese Option interessant. Besser als eine schlechte Karte ziehen.

Dann kommen wir zum nächsten Punkt.

Karten aufdecken

Na, was verbirgt sich hinter dem Wald? Holz oder doch ein Tiger?

Um mit den Karten was anzufangen, musst du diese erstmal verstehen. Also fangen wir wieder vorn an. Es gibt 3 Kartenarten im Spiel:

  • Grüne Karten vergrößern deine Gruppe. Es sind Menschen.
  • Blaue Karten geben dir Ressourcen, wenn du die Aufgabe erfüllst.
  • Rote Karten sind Gefahren, denen du nicht ausweichen kannst.

Jede Karte ist gleich aufgebaut.

Paleo Gefahren-, Aktionskarten und Menschen
Paleo – Gefahren-, Aktions- und Menschenkarte

Oben steht der Titel, um was es sich handelt. Dann gibt es häufig graue Kästen, mal einen, mal zwei, mal drei oder keinen.

Unten steht der Effekt, was mit der Karte passiert, sobald du die Bedingung erfüllt hast.

Falls nur unten was steht (also keine grauen Kästen), ist das ein negativer Effekt, der dich trifft. Dann hast du sicherlich eine rote Karte gezogen. Denen kannst du nicht entkommen.

Bei mehreren grauen Kästen kannst du auswählen, welchen du erfüllen willst. Willst du keinen erfüllen, kannst du die Karte auch unbearbeitet ablegen. Außer rote Karten, da gibt es kein Entkommen.

Wir gehen davon aus, du willst die Karte ausführen (oder musst).

Karten ausführen

Um Karten auszuführen, musst du die Bedingung abhandeln. Je nachdem, welche du auswählst.

Zumeist musst du Karten verdeckt von deinem Wildnisstapel auf das Wildnisbrett ablegen. Das erkennst du an den Karten mit dem Pfeil. Daneben steht die Anzahl der Karten.

Diese Karten fehlen dann auf deinem Stapel, der immer kleiner wird.

Hast du die Bedingung erfüllt, steht unten, was mit der Karte passiert. Steht da nichts, wandert die Karte offen auf das Wildnisbrett. Die Karte kann die nächste Tagphase wieder gezogen werden.

Befindet sich unten ein Friedhof, dann ist die Karte aus dem Spiel.

Also Karte wählen, aufdecken und ein paar Karten zahlen. Das klingt bis jetzt zu einfach, wo ist der Haken?

Du zahlst mit Karten, ist der Hintergrund aber rot, kostet es dich ein Leben pro rote Karte, die du ablegst.

Schaden darf nicht aufgeteilt werden. Bekommst du 2 Schaden, musst du diese einem Menschen zufügen. Stirb dieser, lege ihn auf den Friedhof und lege einen Totenkopf aufs Nachtbrett.

Jetzt denkst du dir, dann decke ich die rote Karte halt auf. Klar kannst du machen und hoffen, dass dahinter nur ein leichter Wolf ist oder dir ein Mitspieler helfen kann.

Wenn nicht, wirst du sicher mit Lebenspunkten bezahlen. Sicher, ob das noch eine gute Idee ist?

Normalerweise versucht du eine Bedingung zu erfüllen, um Fleisch, Stein oder Holz zu erhalten. Du zahlst die angebenden Karten und legst diese verdeckt ab.

Kannst du die Karte nicht alleine erfüllen, kann dir ein Mitspieler helfen, wenn auf seiner Karte die schüttelnden Hände sind. Der Spiele legt seine Karte unverändert offen ab und hilft dir deine zu erfüllen.

So geht das Runde für Runde, bis keiner mehr Wildniskarten hat. Wenn die Tagphase durchgespielt ist, geht es in die Nacht.

Nachtphase – Nachts solltest du besser schlafen.

Der Tag ist herum und die Nacht bricht an. Mit ihr ein leidiges Thema in Paleo: Essen.

Jetzt zahlst du pro Mensch ein Fleisch. Und was ist, wenn du zu wenig hast?

Dann verliert ein Mensch pro fehlendes Fleisch 1 Leben. Falls einer stirbt, lege ihn auf den Friedhof und lege einen Totenkopf aufs Nachtbrett.

Nun werden die Misssionkarten gecheckt. Hast du alle geschafft? Super, dann kannst du die Wildniskarten wieder mischen, aufteilen und von vorne anfangen.

Hast du eine oder mehrere nicht geschafft? Dann gibt es jetzt Totenköpfe, wie angebenden. Manchmal gibt es auch andere Strafen. Aber der Totenkopf ist die häufigste.

Du kannst dir sicher denken, dass Totenköpfe sammeln nicht Ziel des Spiels ist. Hast du 5 gesammelt, dann ist Gameover. Du hast verloren.

Nach der Nacht startet wieder der Tag.

Spielende – Mehr als nur überleben

Unsere Rekorde fehlen an dieser Stelle. Wir haben Paleo komplett durchgespielt.

Der Tag und die Nacht bricht, solange an, bis du 5 Mammutteile gepuzzelt hast oder mit 5 Totenköpfen verlierst.

Also allzu viele Runden dauert das nicht. Also total easy, oder?

Das Spiel hat unterschiedliche Module. So kannst du einfach starten und immer anspruchsvollere Aufgaben ausprobieren.

Solovariante

Ja, Paleo lässt sich solo spielen. Aber warum solltest du das tun?

In der Steinzeit überleben nur die großen Gruppen, dazu gleich mehr in unserer Strategie.

Du kannst in Paleo alles alleine schaffen oder zwei Personen spielen.

Unsere Strategie

Paleo funktioniert unlogisch. Den wir sagen ganz klar, wenn du das Spiel meistern willst, brauchst du Leute. Und zwar viele.

Immer wenn du die Chance hast einen neuen Mitstreiter anzuwerben, tu es. Außer du hast noch eine Handvoll Karten und zu wenig essen.

Ok, zweiteres ignorierst du ganz frech, solange du noch genug Karten hast.

Und genau das ist der Clou, Essen ist immer knapp, du denkst, du kannst keinen weiteren Esser miternähren.

Aber umso mehr Menschen du hast, umso besser kannst du jagen und herstellen.

Wenn wir nur einen Tipp mitgeben dürften, dann dass du stets die Gruppe vergrößern solltest. Am besten sofort. Vertraue uns einfach.

Hat jeder genug Kämpfer, kannst du ohne Mithilfe die Eber besiegen und genau da wollen wir hin.

Ansonsten gilt, fokussiere dich auf die Mission. Das erste drittel der Karten besorgst du Essen oder das letzte, wie du es lieber magst. Den Rest der Zeit wird versucht, die Mission zu erfüllen.

Kannst du einen Menschen durch ein Werkzeug ersetzten? Noch besser. Das Beil ist immer eine fantastische Wahl weil es dir ein Werkzeug und Speer gibt.

Leider sind Ressourcen nur sehr begrenzt verfügbar und für die meisten Missionen brauchst du sie.

Daher gilt Mensch vor Werkzeug und Mission vor Werkzeug.

So kannst du jetzt entspannt Runde für Runde überleben, bis du die Mission geschafft hast? Nein. Den jedes totes Tier landet auf dem Friedhof. Dein Wildnisstapel wird mit jeder Runde kleiner.

Es wird immer schwerer, an Fleisch und Ressourcen zu kommen. Falls du Träume bekommst, kannst du das ein wenig abpuffern. Aber wirklich nur ein wenig.

Daher gilt, versuche die Mission so schnell wie möglich zu lösen.

Fokus auf die Missionsaufgabe und das Menschenrudel vergrößern. Dann solltest du trotz ein paar Niederlagen, als Gewinner rausgehen.

Unsere Bewertung

Die Gefahren lauern nicht nur hinter roten Karten. Genau das macht es so spannend und unvorhersehbar. Und (unser einziger kleiner Kritikpunkt) ein wenig glückslastig.

Du nimmst das harmlose Lagerfeuer weil du damit ins Lager kommst um neue Menschen anzuheuern

Da lacht dich die Karte in knallrot an und ein gefährlicher Tiger versteckt sich dahinter.

Mist nicht genug Speere um ihn zu besiegen. Du fragst deine Mitspieler ob sie helfen können.

Nope, es reicht nicht. Es kostet dich zwei leben und du verabschiedet dich von deinem Jäger.

Gute Dienste hat er für dich getan. Übrig bleibt nur der Friedhof.

Paleo ist ein kooperatives Spiel mit hoher Frustrationsschwelle. Denn verlieren wirst du oft, vor allem, wenn du unseren Tipp oben ignorierst.

Ja, es gehört auch ein wenig Glück dazu. Trotzdem haben wir das Spiel durchgesuchtet. Unser Ehrgeiz, das Unmöglich zu schaffen, war zu hoch. Im Übrigen hat der Autor es bewusst darauf angelegt, das Spiel so schwer zu machen.

Und wir haben es geschafft. Das war eine Reise.

Jede Karte stelle eine neue Herausforderung dar. Ach, das ist nur Wald, da kann ja nichts „böses“ hinter stecken. Haha, doch kann.

Egal welche Entscheidung du triffst, die kann alles sein. Egal wie gut du vorbereitet bist, es kommt anders. Und trotzdem ist es möglich.

Das Gefühl, das Spiel „besiegt“ zu haben und das auch noch gemeinsam – Wahnsinn.

Das Thema ist natürlich erfrischend. Wer wollte nicht schon immer mal ein Steinzeitmensch sein und wissen, wie das Überleben ohne Handy überhaupt möglich ist. Ok, das Thema hat uns weniger gereizt.

Dennoch finden wir es sehr gelungen umgesetzt und es passt super zum Schwierigkeitsgrad.

Wenn du kooperative Spiele mit Taktik magst und schwere Herausforderungen liebst. Eine Niederlage in dir den Wunsch erweckt, es gleich nochmal zu probieren. Dann ist Paleo definitiv das richtige.

Stehst du lieber auf Harmonie und strategische Planung? Probier es aus, aber wir haben dich gewarnt.

Warum reizt es dich, ein Spiel der Unmöglichkeit zu schaffen? Schreib uns in den Kommentaren.

Paleo

Paleo Spielenerds
8.3
Spieleidee 9.0
Material 9.6
Spielspaß 7.5
Balance 7.5
Wiederspielwert 8.0

Pro

  • schönes Design
  • kooperatives Spiel
  • tolles Spielmaterial

Kontra

  • glückslastig

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